Jahresausblick: 5 Themen, die 2019 wichtig werden

01.01.2019 27 0 0

Frohes neues Jahr und willkommen in 2019! Ich hoffe du bist gut reingekommen. Mit 2018 geht ein turbulentes Jahr zu Ende, doch auch 2019 wird einges für uns bereithalten. Heute zeige ich dir im Jahresausblick die fünf Themen auf, die aus meiner Sicht große Relevanz entfalten werden.

 

1. Politische Spannungen in der EU

Der Brexit wird kurz- und mittelfristig ohne Frage das meistdiskutierte Thema bleiben. Am 15.01. stimmt das britische Parlament über den zwischen Premierministerin Theresa May und der EU ausgehandelten Brexit-Deal ab. Der Ausgang ist ungewiss, tendenziell wird eher mit einer Ablehnung gerechnet. Theresa May rief in ihrer heutigen Neujahrsansprache zur Einigkeit auf, doch dies wird eher als Akt der Verzweiflung angesehen.

Sollte der Deal tatsächlich abgelehnt werden, droht ein ungeordneter Brexit am 29.03.19. Von heute auf morgen wäre Großbritannien kein Teil der Europäischen Union mehr und niemand wüsste welche Regeln gelten würden – weil es keine gäbe. EU-Bürger dürften nicht mehr ohne Grenzkontrollen nach Großbritannien reisen und umgekehrt. Nach welchen Maßgaben solche Grenzkontrollen durchgeführt würden, wäre jedoch ungeklärt. Zölle würden wieder greifen, aber wie viele? Hätten EU-Bürger weiterhin ein Aufenthalts- und Arbeitsrecht in britischen Königreich oder würden sie plötzlich ihren Job verlieren? Nur ein paar wenige Beispiele für offene Fragen, die May und die Vertreter der EU in den letzten rund zwei Jahren verhandelt haben. Der Brexit-Deal, welcher nun zur Abstimmung steht, regelt diese Punkte. Kritiker sehen die britischen Interessen jedoch nicht ausreichend gewahrt, sprechen gar von einem „Ausverkauf britischer Interessen“ und planen deshalb gegen den Deal zu stimmen.

Wichtig zu wissen: Bis zum 29.03.19 könnte die britische Regierung durch eine einseitige Willenserklärung das Auslösen des Artikel 50 des Lissabon Vertrags widerrufen. Dies erklärte der zuständige Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofs Anfang Dezember. Es wäre so, als hätte die britische Regierung den Artikel nie ausgelöst, nie die Absicht erklärt aus der Europäischen Union auszutreten. Die EU müsste diesem Widerruf nicht zustimmen. Der Spielball liegt vollständig in der britischen Hälfte. Denkbar wäre auch eine zweite Abstimmung über den Verbleib in der EU. Ein Referendum über das Referendum, sozusagen.

Egal wie es kommt, es bleibt spannend. Aus dem weiteren Verlauf des Brexits ergeben sich Konsequenzen für alle Lebensbereiche, für die Volkswirtschaften der einzelnen Länder, der EU sowie der Welt insgesamt. Einige Sektoren sind logischerweise stärker betroffen als andere, spurlos vorbei geht es jedoch an keinem. Ich empfehle daher dringend das Thema weiter aufmerksam zu verfolgen und etwaige Wertpapierdepots – sofern vorhanden – entsprechend anzupassen.

Der Haushaltsstreit zwischen Italien und der EU ist ein weiteres innerpolitisches Spannungsfeld. Zwar konnte dieser Mitte Dezember vorerst beigelegt werden, wurde allerdings nur um einige Monate verschoben. Es ist fest davon auszugehen, dass es spätestens in der Jahresmitte zu erneuten Streitigkeiten kommen wird. Zur Erinnerung: Die italienische Regierung plante einen Haushalt für 2019, der deutlich kostspieliger werden sollte als ursprünglich mit der EU vereinbart. Statt einer Defizitquote von 0,8% strebte man nun 2,4% an. Dies sorgte für Interventionen durch die EU inklusive der Androhung eines Sanktionsverfahrens. Letztlich hat man sich auf eine Quote von 2,04% geeinigt und die italienische Regierung hat auf die zwei umstrittensten Maßnahmen vorerst verzichtet. Sobald diese Maßnahmen erneut diskutiert werden, wird auch der Haushaltsstreit in die nächste Runde gehen.

2. Trumps Regierung

Wohl kaum ein anderer US-Präsident hat so polarisiert wie Donald Trump es derzeit tut. Was wäre ein Jahresausblick also ohne ihn? Aktuell läuft ein Government shutdown, welcher am 22.12.18 begann – Ausgang offen. Hintergrund ist der Streit zwischen Trump und den Kongressabgeordneten über den Haushaltsplan für das Fiskaljahr 2019. Trump besteht darauf, dass rund 5,7 Mrd. USD für den Bau der Mauer an der Grenze zu Mexiko im Haushaltsplan inkludiert werden – ein zentrales Wahlversprechen seines Wahlkampfes 2016. Durch den Shutdown befinden sich etwa 800.000 Beamte in einer Zwangspause. Weder können sie zur Arbeit gehen, noch werden sie bezahlt. Wie lange dieser Status anhält und welcher Kompromiss am Ende stehen wird ist noch gänzlich offen.

In den kürzlich erfolgten Midterms gewannen die Demokraten die Kontrolle im Repräsentatenhaus. Im Senat haben hingegen weiterhin die Republikaner die Oberhand. Diese Pattsituation macht das Regieren nicht leichter, sodass sich der Präsident auf deutlich mehr Gegenwind für seine Pläne einstellen muss. Dieser Effekt wird dadurch verstärkt, dass sich die Demokraten langsam für den Wahlkampf um die Präsidentschaft ab 2020 in Stellung bringen. Wie in Deutschland auch wird Kante gezeigt, um sich zu profilieren.

Um Nordkorea ist es ruhiger geworden, doch der Tonfall zwischen Trump und Kim Jong-un ändert sich gefühlt wöchentlich. Mal profilieren sich als beste Freunde und planen die Abrüstung der koreanischen Halbinsel, dann beschuldigen sie sich gegenseitig den Friedensprozess zu stören. Man kann also recht sicher davon ausgehen, dass Nordkorea im Laufe des Jahres abermals Thema wird.

Zu guter Letzt bleibt der Handelskrieg zu erwähnen: Momentan deutet sich auch hier eine leichte Entspannung zwischen China und den USA an, doch für eine Entwarnung ist es zu früh. Darüber hinaus gibt es Strafzölle gegen viele andere Länder, auch gegen die EU. Natürlich antworten die Länder mit Gegenmaßnahmen und verhängen ihrerseits Strafzölle gegen die USA. Diese Handelskriege schwächen die Weltwirtschaft, insbesondere exportlastige Sektoren. Am Ende stehen nur Verlierer. Der weitere Verlauf dieser neuen außenpolitischen Wirklichkeit wird 2019 maßgeblich prägen – wirtschaftlich, politisch, gesellschaftlich.

3. FED und EZB

Die beiden wichtigsten Zentralbanken befinden sich auf dem Weg der geldpolitischen Mäßigung. Nachdem die Märkte als direkte Folge der Finanzkrise 2008 jahrelang mit Zentralbankgeld gestützt und finaniziert wurden, gilt es nun ein Mindestmaß an Normalität zurückzuerlangen. In 2018 hat die FED vier Mal die Leitzinsen angehoben, die sich nun im Korridor 2,25-2,5% befinden. Für 2019 werden derzeit zwei weitere Erhöhungen erwartet. Die EZB ist noch nicht ganz soweit, hat zum 31.12.18 ihr Anleihenkaufprogramm (Quantitive Easing/QE) beendet. Bis die erste Zinserhöhung kommt, kann noch etwas Zeit vergehen. Die EZB hat jedoch auch später mit ihrem QE begonnen als die FED, weswegen die zeitliche Verschiebung nur logisch ist.

Konkret bedeutet dies, dass die EZB nun nicht mehr Staats- und Unternehmensanleihen im Wert von 60 Mrd. EUR pro Monat kauft. Diese Verringerung der Nachfrage wird tendenziell zu einer Preissenkung der Anleihen führen. Kurzum: Die fetten Jahre sind vorbei.

Kritiker der FED, darunter auch und gerade US-Präsident Donald Trump, sprechen von einer zu schnellen Anhebung der Zinsen und rügen FED-Chef Jerome Powell. Dieser widerum betont die Unabhängigkeit der Zentralbank von der US-Regierung und folgt weiter seinem Kurs. Das ist gut und richtig, denn etwas anderes würde das Vertrauen in die Institution schädigen, was das System deutlich stärker destabilisieren würde als eine Zinsänderung mehr oder weniger. Man könnte also sagen, dass Trumps Kritik lediglich dazu führt, dass genau das eintritt, was er kritisiert. Auf den ersten Blick paradox, auf den zweiten Blick logisch. Hintergrund der Kritik ist die abkühlende US- sowie Weltwirtschaft. Es wird befürchtet, dass zu zügige Anhebungen der Leitzinsen das Wirtschaftswachstum behindern oder gar negieren könnten. Beide Zentralbanken werden in 2019 zweifelsohne Fingerspitzengefühl beweisen müssen.

Bei der EZB steht zudem ein Machtwechsel bevor. Die Amtszeit von EZB-Präsident Mario Draghi endet im Oktober 2019 nach der regulären Amtszeit von acht Jahren. Lange galt unter Ökonomen unser Bundesbank-Präsident Jens Weidmann als aussichtsreichster Kandidat. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mittlerweile jedoch auf seine Kandidatur verzichtet, was zwei Gründe hat. Zum einen hält sie einen Deutschen an der Spitze der EZB für „nicht vermittelbar“. Zum anderen möchte sie ihren politischen Einfluss lieber nutzen, um einen Deutschen zum nächsten EU-Kommisionspräsidenten zu küren. Dieser würde im Mai 2019 Jean-Claude Juncker ablösen.

Das Rennen um den Chefposten in der EZB ist also weiterhin völlig offen und verschiedene Kandidaten stehen für verschiedene geldpolitische Stile. Welchen Weg die EZB nach Draghis Abtritt gehen wird ist heute noch nicht absehbar. Es gilt das Geschehen aufmerksam zu verfolgen.

4. Weltwirtschaft

Die genannten Punkte sind Risiken für die Weltwirtschaft und das für 2019 erwartete globale Bruttoinlandsprodukt (Global Gross Domestic Product) ist niedriger als 2018. Es würde mich nicht wundern wenn die Prognosen abermals nach unten korrigiert werden. Relevante Prognosen kommen von der Weltbank, dem Internationalen Währungsfonds sowie den Zentralbanken.

In den kommenden Tagen erscheint der ISM Manufacturing Index sowie der ISM Non-Manufacturing Index mit Zahlen für Dezember 2018. Der European Economic Sentiment Indicator (ESI) ist bereits veröffentlicht worden. Für den Wirtschaftsraum der Europäischen Union ist der Punktestand um 2,0 Punkte und damit zum dritten Mal in Folge gefallen. Ich gehe davon aus, dass auch die ISM-Zahlen einen Rückgang andeuten werden. Diese Berichte sind frühwirtschaftliche Indikatoren für die USA beziehungsweise Europa. Üblicherweise nutzen Trader und Investoren sowie Ökonomen diese Indikatoren für Prognosen der wirtschaftlichen Entwicklung der nächsten 3-12 Monate.

5. Bärenmärkte

Als Bärenmärkte bezeichnet man Kursrückgänge eines Börsenindex (z.B. DAX) von mehr als 20% gemessen vom Höchststand. Betrüge der Höchststand 10.000 Punkte und fiele der Index dann unter 8.000 Punkte (-20%), befände er sich ab diesem Zeitpunkt in einem Bärenmarkt. Das Handelsblatt hat eine schöne Übersicht der aktuellen Bärenmärkte erstellt (Stand 20.12.18). Darunter finden sich unter anderem mit DAX und MDAX gleich zwei deutsche Börsenindizes – noch dazu die größten. Frohe Kunde zum Jahresbeginn sieht anders aus.

Für Bärenmärkte typisch ist eine Verschärfung der ohnehin schon vorhandenen Abwärtsbewegung auf neue Tiefs. Den ersten Gewinnmitnahmen in Phase 1 folgt jene Verschärfung in Phase 2, welche Panik und Kapitulation hervorruft. Investoren steigen aus ihren noch vorhandenen Wertpapieren aus und realisieren Verluste, da sie den Glauben daran verlieren, dass sich die Lage irgendwann wieder bessert. Phase 3 lockt erstmals wieder spekulative Trader und Investoren an, die von den unterdurchschnittlichen, „günstigen“ Preisen angelockt werden. Der Preisverfall verlangsamt sich. In der vierten und letzten Phase bildet sich langsam ein Boden im Kursverlauf und erste gute Nachrichten runden das Bild ab. Mehr und mehr Investoren kehren zurück und schlussendlich geht der Bärenmarkt in einen Bullenmarkt über.

Bärenmärkte sind kurzlebiger als Bullenmärkte, nehmen aber trotzdem mehrere Monate oder gar Jahre in Anspruch. Geduld und Timing sind hier essentiell.

Fazit: Schnallt euch an, es könnte holprig werden!

Zugegeben, die Aussichten waren schon einmal besser. Dennoch lasse ich mir meinen Optimismus nicht rauben und gehe davon aus, dass die politischen Unwägbarkeiten nicht zu schlimmeren Szenarien führen und wir das Jahr gut überstehen. An der Börse bieten fallende Kurse immer auch zahlreiche Chancen und eine hohe Volatilität ist deshalb etwas, das mir als Trader gelegen kommt. Geld verdienen (und verlieren) kann man in jeder Börsenphase. Für ersteres braucht man ein wenig Erfahrung und Know-How, zweiteres klappt auch so gut 😉

Auf ein erfolgreiches neues Jahr!

Simon

Tags: 2019, Ausblick, Bärenmarkt, Brexit, EZB, FED, Handelskried, Jahresausblick, Konjunktur, Trump, Weltwirtschaft, wichtig Categories: Off-Topic
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