Fit in Finanzen #9 – Schulden führen ins Hamsterrad

26.02.2019 4 0 0

In der heutigen Welt sind Schulden keine Seltenheit. 0%-Finanzierungen sidn gang und gäbe. Die Regel, nicht die Ausnahme. Selbst ich erinnere mich noch an Zeiten, in denen das anders war. Kombiniert mit den niedrigen bis nicht vorhandenen Einlagenzinsen ist ein Privatkredit für viele so interessant wie selten zuvor. Das birgt Gefahren.

Dunkelroter Kontostand

Laut dem SchuldnerAtlas Deutschland 2018 ist die Zahl der Überschuldungen von Privatpersonen zum fünften Mal in Folge gestiegen. Der jährlich erscheinende Bericht stuft zum Stichtag 01.10.18 über 6,9 Millionen Bundesbürger als überschuldet ein. Rund 1,58 Millionen oder 13,47% davon sind unter 30-jährige. Auch zwischen den Bundesländern gibt es erhebliche Unterschiede.

Mir hat mal ein Kunde am anderen Ende der comdirect Kundenbetreuungs-Hotline gesagt: „Reich bin ich nicht dadurch geworden, dass ich Geld verdient habe, sondern dadurch, dass ich es behalten habe.“ Eine These, die man von nahezu allen erfolgreichen und wohlhabenden Personen hört und liest. Viele Stars und Sternchen haben vorgeführt, wie man es eben nicht macht. 50Cent war pleite, Johnny Depp auch. Beide schweben in Einkommens- und Vermögenssphären, die für uns Normal-Sterbliche utopisch erscheinen. Dennoch: Wer mehr ausgibt, als er einnimmt, geht Pleite.

Schulden sind nicht gleich Schulden

Zwei Arten von Schulden, also Rückzahlungsverpflichtungen, lassen sich grundsätzlich unterscheiden: Investitionsschulden und Konsumschulden.

Ein Unternehmen, das für die Herstellung und Fertigung von Gütern neue Maschinen anschafft oder eine weitere Lagerhalle kauft, tätigt eine Investition. Finanzielle Mittel werden aufgewendet, um die Produktion zu verbessern, wodurch sich das Unternehmen einen mittel- bis langfristigen Vorteil verspricht. Das Geld „wird wieder reingeholt“.

Für Privatpersonen wird der Erwerb eines Eigenheims im Allgemeinen als Investition angesehen. Fast immer wird hierfür ein Darlehen aufgenommen. Es liegen damit Investitionsschulden vor. Zwar bezahlt man zum Kaufzeitpunkt mit Geld, das man eigentlich gar nicht hat und nimmt in Kauf, dass man Jahre oder Jahrzehnte eine monatliche Rate abstottert. Doch man verspricht sich von diesem Kauf eine verbesserte finanzielle Situation im Alter, hauptsächlich dadurch, dass man keine Miete mehr zahlen muss.

Konsumschulden sind im Gegensatz dazu Schulden, die für den Erwerb von Konsumgütern aufgenommen werden. Fernseher, Computer oder auch nur ein neues Smartphone, Urlaubsreisen oder Möbel – alles Konsumgüter. Sie werden gekauft und verbraucht, sind also endlich nutzbar ohne dass die das Vermögen des Käufers über kurz oder lang wieder steigern. Autos sind ein Streitpunkt. Einige sehen es Investition, andere als Konsum. Ich zähle mich persönlich eher zur zweiten Gruppe. Der Wertverlust eines Neuwagens während der ersten Fahrt ist extrem hoch, der Besitz eines Autos verursacht laufende Kosten und steigert mein Vermögen weder direkt noch indirekt. Mag sein, dass ich mir Zugtickets spare und Lebensqualität gewinne – das ist aber nicht der Betrachtungsfokus dieser Fragestellung.

5 Gefahren von Konsumschulden

Die Illusion: Ein neues iPhone für über 1.000 Euro wirkt selbst auf Apple-Fans teuer. Eine monatliche Rate von 20-40 Euro, ggf. kombiniert mit einem Vertrag, jedoch nicht. „Was sind schon 20 Euro?“ Das iPhone wird nicht billiger, nur weil man es über einen langen Zeitraum abstottert. Eher im Gegenteil: Kaufst Du etwas über einen Kredit, werden in der Regel Zinsen fällig. Diese erhöhen den endgültig gezahlten Preis.

Die Gewohnheit: Wer Konsum über Schulden finanziert, lebt über seinen Verhältnissen. Daran kann man sich schnell gewöhnen. Immerhin ist ein teurerer und (vermeintlich) angenehmerer Lebensstil immer verlockend. Und so werden Schulden angehäuft. Hier 50 Euro, dort 100, hier noch einmal 30. Ehe man sich versieht ist das monatliche Budget deutlich reduziert und irgendwann übersteigen die laufenden Kosten die laufenden Erträge.

Die Ungeduld: Geduld ist eine Tugend. Das gilt auch für Konsumgüter, insbesondere für Technik. Wer Geräte ein halbes oder ganzes Jahr nach Release kauft, zahlt signifikant weniger. Bleiben wir beim iPhone-Beispiel. Das aktuelle Flaggschiff Xs Max kam am 21.09.18 auf den Markt. Die 64GB Variante in Grau ging mit 1.249 Euro an den Start. Im Dezember kostete es nur noch 1.056 Euro weniger. Knapp 200 oder -15,5% in nur drei Monaten. Geld ansparen lohnt sich also nicht nur, um Schulden zu vermeiden, sondern auch, um Preisvorteile zu erzielen.

Die Gesundheit: Früher oder später dämmert dir, wie viele Schulden du angehäuft hast. Wie viele Zahlungsverpflichtungen damit einher gehen. Dass Du funktionieren musst. Dann schleichen sich die Sorgen in deine Gedanken. Was, wenn Du deinen Job verlierst? Was, wenn Du längere Zeit krank wirst und deshalb deine Raten nicht mehr bezahlen kannst? Erhöhter Stress und Schlafstörungen aus solchen Ängsten heraus sind keine Seltenheit.

Willkommen im Hamsterrad: Schulden sind Ketten. Ketten, die man sich selbst anlegt. Ketten, die einen an den Job und die Lebensumstände binden. Sie kosten nicht nur ein paar Zinsen, sie kosten Freiheit.

Vielleicht findest Du irgendwann einen potenziellen Traumjob, kannst ihn aber nicht annehmen, weil Du deutlich weniger Gehalt verdienen würdest. Vielleicht würdest Du mal gerne eine Weile von Voll- auf Teilzeit reduzieren, um dich auf dein Hobby zu konzentrieren und zu versuchen, etwas draus zu machen. Wäre es nicht bedauerlich, wenn deine Schulden diese Optionen verhindern würden. Wenn du dir eingestehen müsstest, dass du süchtig nach dem kurzen Kick der Glückhormone unnötige Dinge gekauft hast, die du eigentlich nicht brauchst?

Glückwunsch, Du hast den Weg ins Hamsterrad gefunden, und darfst jetzt – um die toten Hosen zu paraphrasieren – „täglich roboten gehen“.

Es gibt keinen guten Grund für Konsumschulden

Es mag Gründe geben, die die Aufnahme eines Kredits rechtfertigen. Kauf eines Eigenheims (wobei sich darüber auch streiten lässt) oder ein Studienkredit vielleicht. Konsum jedenfalls nicht. Und egal, wie man es dreht und wendet, Schulden sollten um jeden Preis vermieden werden. Wer sich mit Selbstdisziplin schwer tut, (ich weiß, das Paar Schuhe sah einfach zu gut aus), kann sich mit ein paar einfachen Spielregeln behelfen. Ein Beispiel ist die 50/30/20-Regel. Der erste Schritt zur finanziellen Unabhängigkeit, ist nicht zu viel auszugeben.

Tags: 50/30/20, Hamsterrad, Investitionsschulden, Konsumschulden, Schulden, Überschuldung Categories: Grundlagen
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