Fit in Finanzen #6 – Inflation vs Deflation

05.02.2019 5 0 0

Viel ist über die Inflation in den letzten Jahren geschrieben worden. Kurzzeitig geisterte auch das Schreckgespenst Deflation durch die Nachrichten. Warum Du dich mit diesen wirtschaftlichen Standardvokabeln auskennen solltest, klären wir heute.

Wie Inflation funktioniert

Die Inflation beschreibt den Wertverlust des Geldes bzw. die Steigung des allgemeinen Preisniveaus. Legst Du heute 100 Euro zur Seite und die Inflationsrate beträgt beispielsweise 2% im Jahr, könntest Du dir nach einem Jahr nur noch etwas kaufen, dass 98 Euro Wert ist. Die Kaufkraft des Geldes nimmt ab bzw. die Preise steigen.

In Teilen ist dieser Effekt gewollt, denn Inflation verhindert Deflation. Warum das so wichtig ist – dazu später mehr. Inflation entsteht immer dann, wenn die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen schneller steigt als die Produktion. Die Unternehmen müssen ihre Preise anheben, sodass die Nachfrage wieder etwas sinkt, weil nicht alle Marktteilnehmer bereit sind die höheren Preise zu bezahlen. Die übrige Nachfrage kann bedient werden, wodurch abermals ein Marktgleichgewicht entsteht.

Höhere Kosten für Produzenten, die sich zum Beispiel durch höhere Personalkosten, höhere Steuersätze oder höhere Rohstoffpreise äußern können, tragen ebenfalls zu einem steigenden Preisniveau bei, weil die Produzenten ihre höheren Kosten zumindest teilweise an die Kunden weitergeben werden.

Ein Sonderfall entsteht, wenn die Löhne und Gehälter im gleichen Maße steigen wie die Preise. Waren kosten zwar mehr, die Menschen haben aber auch mehr Geld zur Verfügung – es entsteht keine Inflation.

Über die Inflation zu wachen und diese zu steuern ist zentrale Aufgabe der Geldpolitik, für die die Zentralbanken zuständig sind. Ein probabtes Mittel hierfür ist die Steuerung der Geldmengen. Je mehr Geldeinheiten existieren, desto weniger ist die einzelne Einheit wert, weil die Knappheit des Gutes verringert wurde. Zudem muss neu geschaffenes Geld auch irgendwo hin, irgendwie in den Wirtschaftskreislauf. Entsprechend steigt die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen.

Deflation – Die Abwärtsspirale

Das Gegenteil zur Inflation bildet die Deflation. Das allgemeine Preisniveau sinkt, die Kaufkraft des Geldes steigt. Es werden mehr Waren und Dienstleistung angeboten als nachgefragt, wodurch ein Angebotsüberhang entsteht. Als Konsequenz fallen die Preise immer weiter. Hinzu kommen spekulative Gedanken, insbesondere in Bezug auf größere Anschaffungen: „Wenn die Preise fallen, lohnt es sich abzuwarten, dann kann ich später für noch weniger Geld einkaufen.“

Für die wirtschaftliche Stabilität eines Landes ist Deflation folglich mit mehreren Gefahren verbunden. Müssen die Unternehmen ihre Preise zu weit senken, entstehen Zahlungsengpässe, die im schlimmsten Fall bis zur Insolvenz führen können. Daraus ergäben sich Entlassungen und somit höhere Arbeitslosigkeit. Dies wiederum mindert die Nachfrage noch weiter. Eine Abwärtsspirale entsteht.

Es ist also nicht verwunderlich, dass Politiker wie Ökonomen besorgt reagieren, wenn Deflation auch nur ein denkbares Szenario wird. Primär aus diesem Grund liegt das Inflationsziel der EZB bei „nahe, aber unter 2%“. Es ist sozusagen ein „Sicherheitsabstand“ zur Deflation.

Warum Du die Inflationsrate kennen solltest

Viele Menschen betrachten Sparbücher, Tagesgeldkonten und ähnliche Geldanlagen, die keine oder nur eine sehr geringe Verzinsung bieten als sichere Geldanlage. Auf den ersten Blick erscheint diese Annahme logisch, denn der nominelle Geldbetrag verändert sich nicht oder nur sehr geringfügig.

Mit deinem neuen Wissen um die Inflation, kannst Du dir nun selbst ableiten, dass es sich um einen Trugschluss handelt.

Solange deine Rendite unter der Inflationsrate liegt, sinkt der Wert deines Geldes!

Jede Geldanlage sollte daher aus meiner Sicht mindestens die Inflation ausgleichen. Andernfalls ist nicht das Geld sicher, sondern die Tatsache, dass Du Wertverlust erleidest.


Tags: Angebot, deflation, Geldpolitik, Inflation, Inflationsrate, Kaufkraft, Nachfrage, Preisniveau Categories: Grundlagen
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