Fit in Finanzen #5 – Sklaven der Volatilität

29.01.2019 8 0 0

Volatilität bezeichnet im Finanzkontext das Ausmaß der Schwankungen von Preisen, Aktien- und Devisenkursen, Zinssätzen oder ganzen Märkten. Viel wird auf sie geschimpft, besonders häufig in Phasen fallender Kurse oder gar Bärenmärkten, welche oft von einer erhöhten Volatilität gekennzeichnet sind. Jeder Anleger, gleich ob Trader oder Investor, ist ein Sklave der Volatilität.

Warum Anleger von Volatilität abhängig sind

Ist hohe Volatilität gut für Investoren?

Investoren haben einen langfristigen Anlagehorizont. Die jeweilige Interpretation von „langfristig“ ist natürlich stark subjektiv, allerdings kann man einen Horizont von mehreren Jahren aus meiner Sicht guten Gewissens als langfristig bezeichnen.

Würde ein Wertpapier in all dieser Zeit kein bisschen schwanken – betrüge die Volatilität also Null – so gäbe es nichts zu gewinnen und (augenscheinlich) nichts zu verlieren: Der Preis bliebe konstant.

Hier kommen Opportunitätskosten ins Spiel: Geld, das sinnlos irgendwo gebunden ist und keinen Ertrag abwirft, ist „totes Kapital“. Andere Verwendungszwecke hätten möglicherweise eine Rendite erwirtschaftet oder einen alternativen Mehrwert geliefert. Zum Beispiel hätte man sich das schon lange ersehnte, neue Bett kaufen oder den nächsten Strand-Urlaub buchen können. All diese verpassten Gelegenheiten, die Alternativen, bezeichnet man als Opportunitätskosten.

Durch die Inflation wird zudem die Kaufkraft des Geldes im Laufe der Jahre verringert. Der nominelle Wert (der Kontostand) bleibt also gleich, mit dem Geld kann aber weniger gekauft werden.

Ein gewisses Maß an Volatilität ist also eine zwingende Voraussetzung um überhaupt die Möglichkeit zu haben von positiven Kursentwicklungen zu profitieren. Dies betrifft logischerweise Trader und Investoren gleichermaßen.

Da der Investor langfristig anlegt, ist die kurzfristige Schwankung eines Wertpapiers für ihn von nur geringer Bedeutung. Der übergeordnete Trend sollte natürlich in die vom Investor gewünschte Richtung (in der Regel aufwärts/long) zeigen.

Schwankt ein Wertpapier zu lange und zu stark, verliert sie an Stabilität und Vorhersehbarkeit – der Investor wünscht sich schließlich nichts mehr, als einen stabilen, regelkonformen, langweiligen Aufwärtstrend. Die Unberechenbarkeit kann Investoren über kurz oder lang dazu bewegen, aus einem Wertpapier-Investment wieder auszusteigen.

Merke: Etwas Volatilität ist notwendig, zu hohe und zu lange anhaltende Schwankungen sind tendenziell jedoch nicht im Interesse des Investors.

Ist hohe Volatilität gut für Trader?

Je kurzfristiger das Zeitfenster eines Traders, desto höher muss die Volatilität sein, um eine ausreichend attraktive Gelegenheit zu bieten.

Etwas veranschaulicht: Nehmen wir an unser Beispiel-Trader Tom handelt bevorzugt den US-amerikanischen Dow Jones Industrial Average (umgangssprachlich Dow Jones abgekürzt). Angenommen innerhalb einer Woche steigt oder fällt der Index durchschnittlich um 5%. Ist Toms Anlagehorizont ebenfalls eine Woche, er steigt also Montags früh ein und Freitags spät aus, kann es ihm egal sein, an welchem der Wochentage zu welcher Stunde die nötige Bewegung in den Markt kommt. Hauptsache sie kommt im Laufe der Woche.

Natürlich kann eine hohe Schwankung, eine dynamische Kursbewegung dem Trader ebenfalls weh tun und tief in den Kontostand schneiden, wenn sich der Kurs gegenläufig zur Erwartung entwickelt. Richtig oder falsch liegen ist ja aber ein Thema für sich. 😉

Handelt er jedoch im kurzfristigen Zeitfenster, beispielsweise über den 5-Minuten-Chart, ist Timing plötzlich viel wichtiger. Er muss darauf achten, Momente zu erwischen, in denen Bewegung in den Markt kommt. Sonst läuft er Gefahr, dass der Kurs nur um seinen Einstiegskurs herumpendelt. In diesem Fall müsste er entweder sein übliches Zeitfenster überschreiten und die Position länger halten, als ihm lieb ist oder wieder aussteigen – mit minimalem Gewinn/Verlust, aber fixen Ordergebühren. Beides ist nicht optimal.

Merke: Je kurzfristiger das Zeitfenster, desto höher die erforderliche Volatilität für ausreichend Trading-Chancen.

Wie man Volatilität einschätzt

Mittlerweile gibt es für fast alles Indizes und Volatilität stellt keine Ausnahme da. Für die großen Indizes gibt es korrespondierende Indizes, die die jeweilige Schwankungsbreite abbilden. Für den DAX ist dies der VDAX, für den S&P 500 ist es der VIX.

Über Zertifikate und Optionen ausgewählter Anbieter kann man mittlerweile sogar direkt auf diese Indizes traden. Ist man sich also nicht sicher, ob ein Markt steigt oder fällt, erwartet man jedoch eine deutlich gesteigerte Aktivität am Markt, so kann ein Trade auf die Volatilität ein probates Mittel sein. Pressekonferenzen und Leitzinsentscheide der Zentralbanken ist ein Beispiel für solch ein Szenario.

Fazit: Ohne Bewegung, kein Gewinn

Bewegung am Markt ist für jeden Anleger, egal ob er kurz- oder langfristig orientiert ist, eine zwingende Notwendigkeit. Ohne Bewegung entstehen keine Chancen. Je kurzfritiger der Tradingansatz, desto wichtiger wird die Volatilität und das entsprechende Timing des Trades. Je höher die Volatilität, desto wichtiger wird auch ein Stop-Loss und ein entsprechendes Money-Management.

Die Volatilität leidet also manchmal unter einem schlechteren Ruf, als sie verdient hat.

Tags: Chance, Investor, Marktphase, Schwankung, Trader, VDAX, VIX, Volatilität Categories: Investing & Trading
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