Fit in Finanzen #4 – Bärenmarkt? Was ist das überhaupt?

22.01.2019 19 0 0

Was soll eigentlich das ganze Gelaber über Bullen und Bären ständig? An der Börse geht es durch um Kurse, nicht um Tiere? Und warum redet seit Monaten so viele Analysten von einem „Bärenmarkt“?

Was es mit all dem auf sich hat und was Du in einem Bärenmarkt tun solltest, um Geld zu verdienen und zu sichern – heute im Blog!

Von Bullen und Bären

Jeder, der einmal Börsennachrichten gehört oder gelesen hat, und sei es nur der N24-Newsticker im Vorbeigehen, wird schon von „Bullen“ und „Bären“ im Börsen-Kontext gehört haben.

Bullen sind all jene Personen, die optimistisch für den Aktienmarkt (oder auch nur ein einzelnes Wertpapier, wenn nur dieses betrachtet wird) gestimmt sind und von weiter steigenden Kursen ausgehen. Bären gehen vom Gegenteil aus und erwarten fallende Kurse, sind also eher pessimistisch gestimmt.

In der grafischen Darstellung wird der Bulle meist mit erhobenem Haupt abgebildet, sodass sein Rücken, der Kopf und die Hörner eine aufwärtsgerichtete Kurve ergeben. Der Bär hingegen hat seinen Kopf meist gesenkt und stellt so eine abwärtsgerichtete Kurve dar. Die berühmte Statur der beiden Tiere vor der Frankfurter Börse ist keine Ausnahme.

Definition Bärenmarkt

Smarte Leser können sich jetzt schon ableiten, was ein Bärenmarkt denn nun ist. Genau, eine Marktphase, die von tendenziell fallenden Kursen geprägt ist.

Konkret legt man den letzten Hochpunkt als Startpunkt zu Grunde und misst, um wieviel Prozent das jeweils betrachtete Asset (z.B. eine einzelne Aktie oder ein Indize wie der DAX) gefallen ist. Ab einem Minus von 20% spricht man von einem Bärenmarkt, davor handelt es sich lediglich um eine Korrektur. Der Hochpunkt ist schnell gefunden. Es ist das Allzeithoch, also der höchste bisher erreichte Kursstand des betrachteten Assets.

Schauen wir uns zum besseren Verständnis den DAX als Beispiel an: Dessen Allzeithoch stammt vom 23.01.18 und liegt bei 13.596,90 Punkten. 20% davon sind 2719,38 Punkte. Ergo: Sobald der DAX unter 10.877,52 Punkte fällt, beginnt ein Bärenmarkt. Genau das ist am 06.12.18, an Nikolaus, passiert. Die Abwärtsbewegung setzte sich ein wenig fort und markierte das bisherige Tief am 27.12.18 bei 10.279 Punkten.

DAX (Xetra) Tageschart – Eine Kerze = ein Tag

Der Jahresbeginn 2019 verlief sehr positiv, aktuell pendelt der DAX um 11.100 Punkte. Dies ist allerdings noch lange nicht ausreichend, um den Bärenmarkt wieder zu beenden. Dafür ist – Du hast es geahnt – ein Kursanstieg von 20% ausgehend vom Tiefpunkt nötig.

Bärenmarktrallyes oder wie man Anleger um Geld und Nerven bringt

Was wir seit Jahresbeginn sehen ist eine sogenannte Bärenmarktrallye. Eine Phase ansteigender Kurse über Tage und Wochen hinweg, innerhalb des übergeordneten Abwärtstrends. Rückblickend auf einen Chart-Verlauf zu schauen und Kursmuster zu erkennen ist eine Sache. Diese Kursmuster richtig vorherzusagen, während sie sich noch in Entstehung befinden, ist eine ganz andere Sache.

Und so verwundert es nicht, dass solche Aufwärtsbewegungen, wie wir sie seit Jahresbeginn sehen, unterschiedlich interpretiert werden. Die einen sehen es nur als Korrektur des Abwärtsimpulses, eben eine Bärenmarktrallye, andere vermuten den grundlegenden Trendwechsel, den Anfang vom Ende, sozusagen. Aus der Motivation heraus möglichst günstige Einstiegskurse zu erwischen, kaufen sie in die Bärenmarktrallye hinein, was diese wiederum begünstigen und verlängern kann. Manchmal funktioniert solch eine Strategie, manchmal nicht. Sich gegen den übergeordneten Trend zu stellen ist jedoch immer mit deutlich größeren Risiken behaftet, als mit dem Trend zu gehen. Warum das so ist, klären wir im späteren Verlauf dieser Blog-Serie 😉

Geht die Strategie nicht auf und der Anstieg war wirklich nur eine Zwischenerholung, verliert der Investor Geld und Nerven, denn er muss mit ansehen, wie die Kurse weiter fallen und überlegen, ob und falls ja, wann er aussteigt. Immer dran denken: Weder in der Natur noch an der Börse verläuft etwas gradlinig und zwischengeschaltete Bewegungen in die jeweils andere Richtung sind nötig, um den Markt vor Überhitzung/Übertreibung zu schützen.

Wie Du dein Kapital schützt

So sich ein Bärenmarkt andeutet und spätestens sobald er beginnt, solltest Du den Anteil deines Aktiendepots an deinem Gesamtvermögen verringern. Wie stark ist dir überlassen und hängt von deiner Risikoneigung sowie deiner eigenen Interpretation der Marktlage ab. Auch ich reduziere die Positionen in meinem wikifolio in solchen Phasen und baue einen großen Anteil Cash auf.

Ein weiterer Tipp: Verringere den Anteil von zyklischen Aktien und erhöhe den Anteil defensiver Aktien.

Zyklische Sektoren sind Sektoren, die besonders von einer expandierenden Wirtschaft, einem Aufschwung profitieren. Das sind zum Beispiel der Finanzsektor, Immobilien, Grundstoffe und Industriegüter. In einem Aufschwung werden eben neue Immobilien und die entsprechenden Rohstoffe für Infrastrukturprojekte benötigt. Dazu braucht es auch Banken und Finanzdienstleister, die die Vorhaben finanzieren. Logisch, oder?

Defensive Sektoren sind hingegen weniger von der Konjunktur abhängig, folglich weniger volatil (schwankungsintensiv) und daher tendenziell weniger risikoreich. Typische Beispiele sind Energie, Basiskonsumgüter und das Gesundheitswesen. Auch in einer wirtschaftlich angespannten Lage oder gar einer Wirtschaftskrise brauchen die Menschen Strom und Wärme, Nahrungsmittel und gehen bei Bedarf zum Arzt.

Natürlich bringt es nichts, blind Aktien aus den genannten Bereichen zu kaufen bzw. zu verkaufen. Eine eingehende Unternehmensanalyse ist unerlässlich!

Dritter Tipp: Nachdem Du deine Aktienquote verringert hast, kannst Du das Kapital natürlich auch in gänzliche andere Anlageklassen investieren. Gold ist dabei der Klassiker in Bezug auf Kapitalabsicherung. Es wird als der „sichere Hafen“ bezeichnet. Anleihen wie z.B. Staatsanleihen bieten ebenfalls tendenziell geringere Risiken als Aktien. Solltest Du eine eigene Immobilie besitzen, die noch nicht voll abbezahlt ist, könntest Du auch darüber nachdenken, das frei gewordene Kapital für eine Sondertilgung zu nutzen. So oder so: Bitte nicht unter das Kopfkissen legen!

Wie Du Geld verdienst

Wenn dir Kapitalerhalt nicht gut genug ist und Du auch in Phasen fallender Kurse Geld verdienen möchtest, gibt es aus meiner Sicht zwei primäre Optionen:

Option A

Du „gehst short“, kaufst also Wertpapiere, die steigen, wenn das zugrundeliegende Asset fällt. In der Regel handelt es sich bei solchen Wertpapieren um Optionsscheine oder Zertifikate. Dieses Vorgehen wird oft mit Leerverkäufen assoziert, weil sie auf der selben Idee beruhen, doch der Vergleich hinkt. Darüber hinaus sind Short-Strategien in Deutschland oft negativ behaftet und werden kritisiert. Aus meiner Sicht vollkommen zu Unrecht, aber das ist ein Thema für einen anderen Blog-Post. Ich nutze im wikifolio regelmäßig Short-Hebel-Zertifikate auf den Dax, um Verluste des wikifolios zu begrenzen. Insbesondere wenn ich mit fallenden Kursen für wenige Tage rechne und sich ein Verkauf der Aktienpositionen allein aufgrund der Ordergebühren nicht lohnen würde, ist dies ein probates Mittel.

Aber Achtung: Der Handel mit solchen Finanzprodukten, zusammengefasst Derivate genannt, ist extrem risikoreich und inkludiert oft das Risiko eines Totalverlustes. Die Verwendung sowie Short-Strategien allgemein sollten nur von erfahrenen Anlegern genutzt werden. Wenn Du noch neu am Börsenpakett bist, nimm erst einmal Abstand von solchen Strategien oder investiere nur sehr wenig Kapital, dass Du im Zweifel bereit zu verlieren bist. Wie immer stellen meine Kommentare keine konkreten Handelsempfehlungen dar.

Option B

Du beobachtest den Markt aufmerksam und wartest auf einen bestätigten (!) Trendwechsel. So dieser erfolgt, schichtest Du wieder Kapital in Aktien (vorzugsweise zyklisch) um und positionierst dich so für den nächsten mittel- bis langfristigen Bullenmarkt.

Diese Option ist deutlich aufwandsärmer, verlangt aber sehr viel Geduld. Obgleich Bärenmärkte in der Regel deutlich kürzer Verlaufen als Bullenmärkte (meist 12-18 Monate, je nach betrachtetem Markt), kann sich diese Zeitspanne hinziehen.

Dein eigener Anlagehorizont spielt eine erhebliche Rolle. Nach der Finanzkrise 2008 begann der aktuelle Bullenmarkt, der somit schon über zehn Jahre läuft. Das Tief im DAX lag bei ca. 3.588 Punkten. 20% darüber, bei 4.306 Punkten, begann der Bullenmarkt. Dies war m April 2009 der Fall. Heute, fast genau zehn Jahre später, stehen wir bei ca. 11.100. Ein Plus von ca. 158%. Bedenke: Einmal kaufen, zehn Jahre liegen lassen. Dafür ist das eine fantastische Rendite!

Fazit: Vorbereitung und Geduld

Ein Bärenmarkt ist in der Regel nicht die spaßigste Marktphase und geht meist mit wirtschaftlicher Rezession zur selben Zeit einher. Wichtig ist, die Nerven zu bewahren, sinnvolle Anpassungen in der eigenen Vermögensstruktur vorzunehmen und die nötige Geduld aufzubringen.

Panikverkäufe sowie Käufe aus Angst die nächste Rallye zu verpassen sind unbedingt zu vermeiden! Der Rest ergibt sich. Im Zweifel immer dran denken, dass jede Marktphase endlich ist und auch wieder andere Zeiten kommen.

Viel Erfolg!

Tags: Anlagestrategie, Bärenmarkt, Börse, Bulle und Bär, Geldanlage, Rezession Categories: Investing & Trading
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