Fit in Finanzen #14 – Was ist Social Trading?

02.04.2019 1 0 0

Wenn Du dich auf meinem Blog schon etwas ausführlicher umgesehen hast, ist die Chance groß, dass Du bereits von Social Trading gehört hast. Mein wikifolio ist ein klassisches Social Trading-Instrument und wikifolio zählt zu den drei bekanntesten Social Trading-Plattformen im deutschsprachigen Raum. Ich erkläre dir heute, was es mit dem Begriff auf sich hat, damit du entscheiden kannst, ob diese Anlageform etwas für dich ist.

Der Name ist Programm

In der Regel ist die Anlage von Vermögenswerten und das Handeln an der Börse ein einsames Unterfangen. Zwar tummeln sich vor allem aktive Anleger auf Plattformen wie Guidants oder in einschlägigen Foren, doch die endgültigen Anlageentscheidungen müssen allein getroffen werden. Eigene Strategien entwickelt ein Anleger in der Regel in Zwiesprache mit sich selbst. Welche Märkte sollen gehandelt werden? Welche Instrumente will man dafür verwenden? Und was ist mit dem Risikomanagement?

Social Trading will Geldanlage mit den Vorzügen sozialer Netzwerke verbinden und all die vorangegangenen Fragen für Anleger weniger bedrohlich erscheinen lassen. Man könnte auch sagen: Mit dem Sprichwort „Über Geld spricht man nicht“ soll endlich gebrochen werden.

Follower oder Signalgeber?

Wenig verwunderlich ist, dass alle Social Trading-Plattformen einige Gemeinsamkeiten aufweisen. Dazu gehört, dass sich Nutzer in Follower und Signalgeber unterteilen lassen.

Die Signalgeber sind oftmals Hobbytrader, so wie ich selbst. Es gibt allerdings auch professionelle Trader (sogenannte institutionelle Anleger) oder von/für Gruppen gemanagte Portfolios. So hat beispielsweise das Handelsblatt ein Musterdepot auf wikifolio und auch Finanzen.net zählt zu den strategischen Partnern des österreichischen Start-Ups.

Signalgeber veröffentlichen ihre Strategien über ihre Accounts und kommentieren ihre Handlungen. Wertentwicklungen, aktuelle Depotzusammensetzung, bisherige Trades und weitere Kennzahlen werden zu jeder Zeit übersichtlich dargestellt. Transparenz ist ein zentrales Motto dieser Anlageform.

Im Gegenzug für ihre Mühe und ihren (hoffentlich positiven) Beitrag zur Community erhalten die Signalgeber eine performanceabhängige Vergütung. Die jeweilige Matrix in der Performance, also Erfolg, gemessen wird unterscheidet sich von Plattform zu Plattform. Verallgemeinert lässt sich sagen: Je höher die Performance bei gleichzeitig niedrigem Risiko und je mehr Follower dies erreicht, desto besser.

Die Follower tun hingegen, was der Name vermuten lässt – sie folgen. Sie suchen sich einen oder mehrere Trader aus und kopieren ihre Trades mehr oder weniger direkt. Auf einigen Plattformen können Follower direkt mit den Tradern interagieren, auf deren Kommentare reagieren oder sich durch ihre Newsfeeds gegenseitig auf dem Laufenden halten. Aspekte eines sozialen Netzwerks eben.

3 bekannte Social Trading Plattformen

eToro

Entstehung

Nach eigenen Angaben der weltweit größte Anbieter von Social Trading ist eToro. Das Unternehmen wurde 2007 in Israel gegründet und unterhält mittlerweile Büros in Zypern, dem Vereinigten Königreich und Israel.

2010 startete mit „OpenBook“ die nach eigenen Angaben weltweit erste Social Tranig Plattform, die 2011 auf der Finovate Europe den Preis „Best of Show 2011“ erhielt.

Mehrere Millionen Kunden aus 140 Ländern tragen heute über eToro. Damit ist der Nutzerkreis (sowie aktuell als auch potenziell) weit größer als der Nutzerkreis der beiden Kontrahenten. Dazu später mehr.

Anlageinstrument

Gehandelt werden CFDs, Contracts for Difference. Diese Differenzkontrakte können als Call oder Put gekauft werden. Man wettet also auf steigende oder auf fallende Kurse eines Assets. Wesentlicher Bestandteil von CFDs ist der Hebel, der einen sog. Leverage-Effekt auslöst. Vereinfacht gesagt: Man kann viel mehr Geld im Markt bewegen, als man eigentlich im eigenen Konto hat, weil der Broker den Rest „auslegt“. Für einen DAX-CFD beträgt der übliche Hebel 1:100. Ein CFD kostet den aktuellen Punktestand des DAX in Euro. Steht der DAX bei 12.000, wären 12.000 Euro fällig. Durch den Hebel von 1:100 muss der Trader jedoch nur 120 Euro hinterlegen. Der Rest wird vom Broker zwischenfinanziert.

Durch diesen Hebel ergeben sich zwar schnellere Gewinne, aber auch deutlich höhere Risiken bis hin zum Totalverlust und der Überschuldung – was einen Margin Call auslöst. Das ist allerdings Thema für einen anderen Artikel. Die Mehrheit aller CFD-Trader verlieren Geld. Das 90/90/90-Sprichwort ist hier sehr zutreffend. eToro gibt auf der eigenen Website an, dass 76% der Privatanleger Geld verlieren, wenn sie CFDs über eToro handeln.

Besonderheiten

Mit CopyPortfolios hat eToro ein Anlageinstrument geschaffen, dass an klassische Investmentfonds erinnert. Es gibt solche, die die Portfolios erfolgreicher Top Trader der Plattform bündeln und solche, die nach Marktstrategie zusammengestellt werden. Diese CopyPortfolios werden von einem internen Investmentausschuss verwaltet.

Über den Social News Feed, der sich stark an das klassische Newsfeed-Layout von Facebook, LinkedIn und Co. orientiert, bietet den Nutzern einen guten Überblick und eine stärkere Kommunikationsmöglichkeit mit den Tradern.

Insgesamt eine sehr solide Option mit langjähriger Erfahrung, einem weltweiten Netzwerk und einer intuitiv bedienbaren Plattform.

ayondo

Entstehung

Die ayondo Holding setzt sich aus der ayondo GmbH, welche als Technologie- und Serviceprovider fungiert, der ayondo portfolio Management GmbH als durch die BaFin zugelassener Finanzportfolioverwalter sowie der ayondo Markets Ltd. mit Sitz in London zusammen. Letzteres ist ein von der britischen Finanzaufsicht FCA reguliertes Investmentunternehmen.

ayondo wurde 2009 gegründet und hat bislang 19 Preise erhalten, unter anderem Platz 1 und 2 der deutschen Broker Wahl, Platz 1 beim worldoftrading Award 2013 und weitere.

Anlageinstrument

Genau wie bei eToro werden bei ayondo CFDs getradet. Das Unternehmen hat eine Zusatzversicherung abgeschlossen, die Einlagen der Kunden über die üblichen Summen hinaus, nämlich bis zu 1.000.000 £ pro Kunden, absichert.

Besonderheiten

Auffällig finde ich die spielerische Aufbereitung der Top Trader Matrix. Es gibt fünf Trader Level, durch die sich ein Trader durcharbeiten kann/muss. Jeder startet als „Street Trader“ und strebt die höchste Stufe „Institutional“ an.

Um höhere Stufen zu erreichen ist sowohl Performance, geringes Risiko als auch Kontinuität und ein festgelegter Zeitraum erforderlich. So wird ein hohes Maß an Reputation aufgebaut, dass den Tradern einen schönen Anreiz bietet sich kontinuierlich zu verbessern (Stichwort Gamification). Auf der andere Seite erhalten auch die Follower auf einen Blick einen guten Indikator über die Erfahrung und Zuverlässigkeit diverser Trader.

Quelle: ayondo.com

Follower ziehen die Trader ihrer Wahl per Drag-and-Drop in ihr eigenes Konto und erstellen so ihr individuelles Portfolio.

Wem ein deutsche(rer) Marktanbieter wichtig ist, ist mit ayondo sicherlich gut beraten. Die Preise zeichnen ein Bild des Vertrauens, auch von der renommierten Fachpresse.

wikifolio

Entstehung

2008 gründete Andreas Kern, der auch heute noch CEO von wikifolio ist, das Unternehmen aufgrund einer negativen Erfahrung mit seiner Hausbank. Dort wurde ihm ein Anlageprodukt empfohlen, dass ihm im Zeitraum 1953 bis 2008 nur Gebühren gekostet hätte. Daraufhin stellte er sich die Frage wie ein modernes Finanzprodukt aussehen sollte und entwickelte wikifolio. Die Wortschöpfung setzt sich aus Wiki und Portfolio zusammen.

Das österreichische Unternehmen fokussiert sich auf den deutschsprachigen Raum und gewann 2010 mit dem Handelsblatt Konzern den ersten Investor und Medienpartner. Seit 2012 können wikifolios über Lang & Schwarz als Index-Zertifikat emittiert werden, dazu gleich mehr.

Über die Jahre haben sich weitere Partner dazugesellt, unter anderem OnVista, comdirect, Consorsbank, S Broker und weitere. Wikifolio ist von den drei vorgestellten Anbietern sicherlich derjenige mit dem größten „Back Up“ namenhafter Partner.

Anlageinstrument

Nutzer der Plattform können eigene wikifolios erstellen. Bei diesen handelt es sich um Musterdepots. Man wählt die Höhe des virtuellen Startkapitals aus (z.B. 50.000 oder 100.000 Euro), definiert seine eigene Strategie, gibt die persönlichen Erfahrungen im Handeln mit diversen Anlageklassen an und wählt aus, welche Handelsinstrumente man handeln wird (sog. Anlageuniversum). Mit dem virtuellen Kapital können dann Wertpapiere in das Musterdepot gekauft werden. Darüber hinaus legt der Trader die Performancegebühr fest, die von 5% bis 30% (auf den erwirtschafteten Gewinn) variieren kann.

Das Leben eines wikifolios lässt sich in drei Phasen unterteilen. In der ersten Phase nach der Erstellung ist das wikifolio noch nicht öffentlich einsehbar, sondern nur für den Trader selbst. Er kann somit zwanglos Herumprobieren und im Zweifel seine Strategie noch einmal umformulieren oder das wikifolio wieder schließen.

Entscheidet sich der Trader sein wikifolio zu publizieren, wird dieses für andere Nutzer sichtbar. Diese können sich das wikifolio vormerken und angeben wie viel Echtgeld sie hypothetisch bereit wären in jenes wikifolio zu investieren.

Erfordertlich für den letzten Status „Investierbar“ sind zehn Vormerkungen anderer Nutzer und ein insgesamt vorgemerktes Kapital von 2.500 Euro. Darüber hinaus muss das wikifolio seit mindestens Natürlich gibt es keinen Zwang das wikifolio investierbar zu machen und der Trader kann es auch im Status publiziert endlos weiterlaufen lassen.

Sobald der Trader den Status „Investierbar“ beantragt, wird geprüft, ob die erwähnten Kriterien erfüllt wurden. Ist dies der Fall emittiert Lang & Schwarz als Broker ein Index-Zertifikat, welches das wikifolio als zu Grunde liegenden Index behandelt. Die Wertentwicklung des Zertifikats soll möglichst 1:1 der Entwicklung des wikifolio-Musterdepots entsprechen.

Besonderheiten

Bei eToro und ayondo werden CFDs, also Kontrakte mit dem jeweiligen Anbieter als Vertragspartner, gehandelt. Wikifolios sind klassische Wertpapiere, die mit einer eigenen Wertpapierkennnummer (WKN) ausgestattet sind. Diese sind von allen Menschen mit Wertpapierdepot, dass Transaktion über die Börse Stuttgart oder Lang & Schwarz ermöglicht, handelbar. Daraus resultiert ein wesentlicher Unterschied zu den ersten beiden Anbietern, die nur ihre angemeldeten Nutzer bedienen (können).

Fazit

Wie immer im Leben: Alles hat Vor- und Nachteile. Ich habe mich damals aus mehreren Gründen für wikifolio entschieden:

Zum einen wollte ich ein mittel- bis langfristig orientiertes Portfolio erstellen, wofür mir ein wikifolio sinnvoller erschien. Zum anderen war mir wichtig, dass Interessen (zum Beispiel Freunde und Familienmitglieder) sich nicht erst umständlich auf einer Plattform registrieren müssen, um mein in mein wikifolio zu investieren. Die eigene WKN war damit zumindest für mich ein echter Mehrwert.

Die Nachteile von wikifolio sind allerdings auch unbestreitbar:

Erstens halte ich das System für unnötig komplex und für am Anfang schwer verständlich. Zweitens ist es deutlich schlechter zur Realisierung von Long-Short-Strategien geeignet, weil nur Derivate weniger Emittenten gehandelt werden können. Indizes und Währungen lassen sich noch ganz gut shorten, bei Einzelwerten wird die Luft sehr schnell sehr dünn. Das ist (für mich) so unbefriedigend, dass ich immer mal wieder mit dem Gedanken spiele den Anbieter zu wechseln. Bisher haben die Vorteile jedoch überwogen.

So oder so: Wer eine innovative Beimischung zur eigenen Vermögensanlage sucht, sollte einen genaueren Blick auf Social Trading Plattformen werfen. Die Strategien und Performances sind so vielseitig wie ihre Nutzer und viele von ihnen schlagen relevante Vergleichsindizes (Benchmarks) und/oder professionelle Fondsmanager. Welche Plattform man sich letztlich aussucht ist dann eher eine Frage des persönlichen Gusto.

Tags: ayondo, eToro, Geldanlage, Plattform, Social Trading, wikifolio Categories: Investing & Trading
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