Fit in Finanzen #13 – 3 Gründe, warum wir die FinTechs gebraucht haben

26.03.2019 3 0 0

FinTech ist eine Wortschöpfung aus den Begriffen Finanzdienstleistungen und Technologie. FinTech bezeichnet die Branche, FinTechs die darin beheimateten Unternehmen, welche sich meist noch in der Start-Up-Phase befinden. Sie sind für klassische Anbieter am Markt, wie Banken und Versicherungen, Fluch und Segen zugleich. Sie torpedieren und stören bestehende Geschäftsmodelle und rauben Erträge. Warum sie trotzdem nicht nur gut, sondern notwendig waren.

Wettbewerb fördert Innovation

Die Finanzwirtschaft Deutschlands aber auch vieler anderer Länder befand sich lange im Dornröschen-Schlaf. Man war groß, man war mächtig und man war nach der Finanzkrise 2008 vor allem mit sich selbst beschäftigt. Ertragsströme mussten wieder aufgebaut, neue Regularien umgesetzt werden. Große Innovationen oder die Fokussierung auf die Interessen des Kunden suchte man jedoch überwiegend vergeblich.

Und dann kamen die FinTechs. Die Trägheit der Branche ausnutzend, zogen einige kleine Start-Ups mit Visionen und Ideen aus, um einzelne Prozesse zu verbessern.

smava wurde 2007 gegründet und war Deutschlands erstes FinTech. Mittlerweile ist es zu einem der größten Kreditplattformen des Landes avanciert. Viele weitere Portale sind gefolgt. Durch diese Online-Vergleichsportale, Check24 dürfte das bekannteste sein, sind Verbrauchern zahlreiche Angebote von ebenso zahlreichen Anbietern auf einen Blick zugänglich. Die lästige Abhängigkeit von den internen Produkten der Hausbank entfällt.

gini, 2015 zum FinTech des Jahres gekürt, hat sich auf semantische Datenanalyse spezialisiert. Mit ihrer Technik können Dokumente wie z.B. Rechnungen abfotografiert und ausgewertet werden. Es erscheint eine vorausgefüllte Überweisungs-Maske und der Nutzer muss nur noch Korrektur lesen und bestätigen. So ist auch die comdirect smartPay App entstanden, an der ich 2014 mitgewirkt habe.

N26 wird gerne als das Vorzeige-FinTech Deutschlands bezeichnet. Mit Banklizenz ausgestattet bot es als erstes Unternehmen ein Girokonto, welches vollständig per Smartphone zu eröffnen und zu verwalten war. Dadurch entstand auch der Spitzname „Smartphone-Bank“. N26 ist zudem das erste (und bislang einzige) deutsche FinTech-Unicorn. Als Unicorns werden Start-Ups bezeichnet, die eine Marktbewertung von über 1 Mrd. USD erreichen.

Online-Banking, Mobile Responsive Design (also die auf Smartphone-Bildschirme zugeschnittene Darstellung von Inhalten), Video-Legitimationsverfahren, alternative Wege Überweisungen aufzugeben, einfachere Kreditvergleiche … nur ein paar Beispiele der Entwicklung, die FinTechs zwar nicht alleine gestemmt, aber forciert und beschleunigt haben.

Wettbewerb senkt die Kosten

Der Preis ist eine Funktion von Angebot und Nachfrage. Die Digitalisierung von Prozessen senkt oftmals die Kosten. Der innovative, für den Nutzer angenehmere, Charakter des neuen Prozesses, erhöht die Nachfrage nach diesem. Die „alten“ Anbieter müssen ihre „alten“ Prozesse günstiger anbieten, um zumindest einige Nutzer zu halten und/oder mittelfristig die neueren/besseren Prozesse der Konkurrenz übernehmen.

Am Ende des Tages freut sich der Nutzer über geringere Kosten und ein (in der Regel) besseres Nutzungserlebnis.

Kooperation statt Konkurrenz

Natürlich ist auch im Bereich FinTechs nicht alles gold, was glänzt. Völlig zu Recht genießen etablierte Unternehmen, gerade Banken, viel höheres vertrauen als junge Start-Ups. Sie haben viele Stolpersteine schon hinter sich gelassen, die noch vor den Start-Ups liegen.

Zudem haben etablierte Unternehmen einen wesentlichen Vorteil: einen Kundenstamm.

Glücklicherweise hat sich im Laufe der Jahre bei vielen Marktteilnehmer die Erkenntnis verfestigt, das man miteinander mehr bewegen kann als gegeneinander. Etablierte Banken bieten Marktzugang über den eigene Kundenstamm sowie Erfahrung und Expertise und ggf. Kapital. FinTechs bieten innovative Lösungen und schnelle Umsetzung durch die Fokussierung auf ein Teilgebiet.

Durch die Kooperation profitieren beide Akteure sowie der Nutzer, der Kunde. Es ergibt sich eine Win-Win-Win-Situation.

Die FinTechs und ihre Sturm und Drang-Phase waren und sind damit nicht nur gut für die deutsche Finanzindustrie, sondern notwendig.

Tags: FinTech, FinTechs, gini, Innovation, Kooperation, N26, smava, Start-Up, Wettbewerb Categories: Trends & Technologie
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