Crashkurs: Blockchain-Technologie

13.05.2018 185 0 2

Bist Du fit im Tech Jargon? An den Begriffen Bitcoin, Kryptowährung und Blockchain ist 2017 kaum jemand vorbei gekommen. Die Nachrichten über fulminante Kurssprünge des Bitcoin gehörten zur Tagesordnung, einige sprachen gar von Goldgräberstimmung.

Während die Massenmedien langsam begannen über Bitcoin und Etherum zu schreiben, beschäftigten sich die Banken, FinTechs und ITler schon längst mit Blockchain – jener Technologie auf der Bitcoin basiert und die als die eigentliche Innovation gilt.

Mittlerweile hat sich diese Tatsache herumgesprochen, Blockchain avancierte zum Szene-Wort und zum Garant für Kursgewinne. Jedes Unternehmen, das verkündete künftig die Blockchain-Technologie nutzen zu wollen, konnte sich am Folgetag über atemberaubende Kursgewinne der eigenen Aktie freuen.

Beispiel gefällig?

Long Island Ice Tea ist dir vielleicht ein Begriff. Ein US-amerikanischer Hersteller von alkoholfreien Getränken, vor allem Eistee. Das Unternehmen gab im Dezember vergangenen Jahres bekannt, sich in Long Blockchain Corp umbenennen und mit Blockchain-Unternehmen zusammenarbeiten zu wollen. Prompt stieg der Aktienkurs um 500% an. Fünfhundert Prozent!

Im Januar kündigte Kodak an, eine eigene Kryptowährung für Fotografen einführen zu wollen. Der KodakCoin und die dazugehörige Plattform KodakOne sollen Fotografen ermöglichen, ihre Bilder zu vermarkten und gleichzeitig ihre Urheberrechte zu schützen. Die Aktie stieg um 120%.

Klären wir also heute, was es mit Blockchain genau auf sich hat, damit wir uns im nächsten Artikel den Kryptowährungen widmen können.

Das folgende Video gibt dir in drei Minuten einen Überblick:

Die Blockchain-Technologie wird auch als „distributed Ledger Technology“ (DLT) bezeichnet – zu Deutsch: Technologie der dezentralisierten Buchhaltung

Bisher wurden Informationen zentralisiert, validiert und notwendige Aktionen eingeleitet. Dies erforderte zentrale Sammelstellen, sogenannte Intermediäre. Banken sind ein klassisches Beispiel. Sie haben Hauptbuchkonten und Informationen über unzählige Nutzer (ihre Kunden) die zentral auf den Servern der Bank gespeichert werden. Dein Geld lagert auf einem Bankkonto und sobald Du eine Überweisung aufgibst, prüft die Bank ob Du über ausreichend Guthaben für diese Transaktion verfügst. Ist dies der Fall wird der Betrag zur Bank des Zahlungsempfängers gesendet. Dessen Bank empfängt das Geld und schreibt es dem Konto des Zahlungsempfängers gut. Die Bank fungiert also als Exekutive, als Mittelsmann.

Stell dir Zahlungsverkehr über die Blockchain eher  vor wie eine Barzahlung. Du schuldest deinem Freund zwanzig Euro für den letzten Kino-Besuch und überreichst ihm dieses Geld in bar. Diese Transaktion findet zwischen euch statt, ohne zwischengeschaltete Instanzen wie eine Bank.

Key-Features: dezentral, sicher, anonymer, günstiger

In einer Blockchain werden Informationen dezentral gespeichert. Jeder am Netzwerk angeschlossene Computer verfügt über einen Teil der Informationen. Neuigkeiten werden als Blöcke zusammengefasst und als Kette fortgeschrieben. Daher der Name Block-Chain.

Willst Du nun über eine Blockchain besagte zwanzig Euro an deinen Freund überweisen, so nutzt Du hierfür eine Kryptowährung, beispielsweise Bitcoin. Die Information „A überweist x Stück von Bitcoin an B“ wird an das gesamte Netzwerk gesendet und jeder angeschlossene Rechner prüft die Transaktion im Sinne der für diese spezifische Blockchain festgesetzten Regeln. Die bestätigte Transaktion wird zu einem Block, der mit einem Schloss (Hash) versiegelt wird. Der Block wird Teil der Blockchain sofern andere Computer im Netzwerk bestätigen, dass dieser Hash korrekt ist. Üblicherweise wird hierfür die sogenannte „proof of work-Methode“ genutzt. Die Computer berechnen die Lösung zu einem komplexen mathematischen Problem und vergleichen ihre Lösung mit der Lösung des Blocks. Stimmen die Informationen mehrheitlich überein, wird der Block zur Blockchain hinzugefügt und ist fortan nicht mehr veränderbar. Es ist eine festgelegte Tatsache, so unumstößlich wie die Antwort auf die Frage, welcher Wochentag gestern war. Das Netzwerk weiß am Ende des Prozesses, dass A x Stücke Bitcoin weniger hat als vorher und B diese hinzugewann.

Quelle: blog.g2crowd.com

Durch die Dezentralisierung der Informationen ist es extrem schwer, diese zu manipulieren. Man bräuchte stets eine Mehrheit an Rechenleistung innerhalb des Netzwerks, um alle anderen Computer zu überstimmen und das eigene, falsche Ergebnis (z.B. A überweist an C, nicht an B) als die Wahrheit durchsetzen und in die Blockchain schreiben zu können. Daraus folgt die Ableitung, dass eine Blockchain umso sicherer wird, je mehr Computer dem Netzwerk angeschlossen werden.

Sicherheit ist also ein wesentlicher Vorteil der Technologie.

Auch Datenschutz spielt eine große Rolle, denn eine Angabe von Kartennummern, Namen oder Adressen ist nicht nötig. Die im Netzwerk gesendeten Daten werden kryptografiert und somit anonymisiert.

Darüber hinaus fallen keine Transaktionsgebühren an, wovon Kreditkartenunternehmen und Bezahldienste wie PayPal üppig leben. Bislang lassen sich Mittelsmänner jeder Art ihre Dienste teuer bezahlen. Kaufst Du heute ein Haus, kassieren immer auch Notare, Grundbuchämter und ähnliche Instanzen mit. Sie lassen sich ihre Dienste den Wertübertrag zu dokumentieren und zu bestätigen teuer bezahlen. Derlei Umwege würden durch eine Blockchain obsolet. Digitale Verträge, „Smart Contracts“ genannt, können sich gegenseitig bedingen und auslösen, einen Wertübertrag automatisieren.

Dieses Konzept lässt sich auf prinzipiell jeden Geschäftsfall übertragen. Es ist entsprechend wenig verwunderlich, dass die DLT als die größte Innovation seit dem Internet selbst bezeichnet wird. Und es ist nicht verwunderlich, warum sie – bzw. ihre ersten greifbaren Auswüchse, wie die Kryptowährungen, – auf so massiven Widerstand stoßen. Neben berechtigter Sorge und relevanten Denkanstößen ist es vor allem die Furcht der Intermediäre mittelfristig „wegrationalisiert“ zu werden.

Es würde den Notaren sicher nicht gefallen an den Immobilienkäufen und –verkäufen nicht mehr mitverdienen zu können. Es würde den Clearing- und Lagerstellen nicht gefallen für ihre Mithilfe bei Wertpapiertransaktionen nicht mehr entlohnt zu werden. Und machen wir uns nichts vor – auch die Regierungen haben panische Angst vor Kontrollverlust, den sie durch klassische Währungen und die Zentralbanken auf die Bevölkerungen ausüben können.

Der Wettlauf hat begonnen

Nichtsdestotrotz stürzen sich Unternehmen aus allerlei Branchen rund um den Globus auf das Thema Blockchain und versuchen Wege zu finden, ihre Nutzung zu kommerzialisieren. Bereits 2015 sagte Santander InnoVentures in ihrem vielbeachteten „Fintech 2.0 Paper “ für die Finanzbranche ein Sparpotenzial von 15-20 Mrd USD jährlich bis 2020 voraus. Rechnet man nun noch alle anderen Branchen hinzu, erreicht das Disruptionspotenzial schwindelerregende Höhen.

Der Wettlauf um die Hoheit im Blockchain-Markt ist in vollem Gange. Ein Konglomerat aus sieben Geldhäusern, darunter die Deutsche Bank, plant einen Teil der Handelsfinanzierungen über eine gemeinsame Blockchain-Plattform abzuwickeln. Die Commerzbank arbeitet hingegen mit SAP an einer Integration einer Blockchain in die SAP-Systeme, testete jedoch ebenso schon IBMs „Watson“ sowie Hyperledger.

Unterdessen nutzen die Vereinten Nationen die neuartige Technologie bereits in 16 Einrichtungen, unter anderem im World Food Program. Hier wird Flüchtlingen ermöglicht, Nahrungsmittel zu kaufen, indem sie ihre Iris scannen. Dubai will die Passvergabe und Geschäftsvorgänge der Verkehrs- und Touristikbehörde umstellen, um bis 2020 möglichst kein Papier mehr in diesen Bereich zu benötigen.

Die Blockchain-Technologie, so wie die Digitalisierung insgesamt, führt zu einem Machtwechsel weg von zentralen Autoritäten hin zu den Massen der Anwender und ihrer Netzwerke, welche sich selbst kontrollieren. Für einige mag diese Erkenntnis wie eine Hiobsbotschaft klingen, für andere wie das gelobte Land. So oder so: Wir leben in einer spannenden Zeit und egal wie Du persönlich über das Thema denkst: Es ist eines, dass Du aufmerksam verfolgen solltest.

Tags: Altcoin, Bitcoin, Blockchain, Crashkurs, distributed ledger, FinTech, IBM, Krypto, Kryptowährung, Watson Categories: Trends & Technologie
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