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Buchtipp #1: Intelligent Investieren von Benjamin Graham

30.05.2018 208 1 0

Ein anderes Buch als dieses für den ersten Buchtipp zu wählen würde sich falsch anfühlen. Intelligent Investieren (eng. Originaltitel: The Intelligent Investor) wird oft als „die Bibel der Finanzliteratur“ bezeichnet. Es erschien erstmals 1949 und wurde von Benjamin Graham, dem persönlichen Mentor von Warren Buffet, verfasst. Kein Wunder also, dass letzterer das Werk einst als „mit Abstand das beste Buch, das je über das Investieren geschrieben wurde“ bezeichnete.

Graham gilt als Vater der Fundamentalanalyse

Benjamin Graham wurde 1894 in London geboren, seine Familie verlor durch den großen Crash 1907 sämliches Vermögen und lebte fortan in ärmlichen Verhältnissen. Durch ein Stipendium konnte Graham an der Columbia University Mathematik, Englisch und Griechisch studieren. Er graduierte nach nur zweieinhalb Jahren als Zweitbester seiner Klasse. Es zog ihn an die Wall Street, wo er sich vom einfachen Angestellten zum Analyst und schließlich Partner einer Investment-Firma hocharbeitete, ehe er 1926 seine eigene gründete.

1929 kam es zum wohl berühmtesten Börsencrash der Geschichte. Der 24. Oktober, auch bekannt als „Black Thursday“ wird als Auftakt der Weltwirtschaftskrise angesehen. Auch Grahams Unternehmen erlitt Verluste in Höhe von ca. 70%. Statt jedoch in Panik zu verfallen, nutzte Graham die Gelegenheit um Zukäufe zu tätigen und so günstig in Unternehmen zu investieren, von denen er glaubte, dass sie einen höheren Wert hatten als ihr Aktienkurs gerade anzeigte.

Er nutzte zur Beurteilung der Unternehmen Fundamentaldaten wie Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV), Gewinnwachstum, Dividendenrendite und Verschuldungsgrad.

Durch seine Besonnenheit während des Crashs und der Krise erzielte seine Investment-Firma, die Graham-Newman Corp. von 1936 bis 1956 eine jährliche Rendite von mindestens 14,7 Prozent. Der Gesamtmarkt schaffte nur 12,2 Prozent.

So wurde die Fundamentalanalyse und die von Graham erfundene Strategie des „Value Investing“ (Value = Wert, also sinngemäß „Investieren in Wertighaltigkeit“) populär.

Bis heute ist „The Intelligent Investor“ eines der meistverkauften Finanzbücher der Welt mit weit über einer Million verkauften Exemplaren und diversen Neuauflagen.

Mehr als nur ein Buch über eine Strategie

Das Werk hat viele Facetten. Natürlich beschreibt es detailliert was genau „Value Investing“ ist, wie es funktioniert und wie man es anwenden kann. Ziel ist unterbewertete Unternehmen zu finden und günstig zu kaufen, weil davon ausgegangen wird, dass der Aktienkurs sich über kurz oder lang wieder dem „richtigeren“ Wert annähern wird. Diese Annahme setzt voraus, dass die Markteffizienzhypothese nicht zutrifft. Sie sagt aus, dass Aktienkurse effizient sind, also zu jeder Zeit den „korrekten“ Wert eines Unternehmens wiederspiegeln. Benjamin Graham widersprach der These vehement, schließlich hatte er zwei große Crashs selbst erlebt und wusste, dass die Panik teilweise alles andere als rational war.

Nehmen wir ein Beispiel aus der aktuellen Zeit: Als der Dieselskandal 2015 erstmals thematisiert wurde brach der Aktienkurs von VW an einem Tag um ca. 22% ein. War VW plötzlich 22% weniger Wert? Nein. Natürlich war es etwas weniger wert, denn ein Imageschaden war bereits entstanden und die Furcht vor Regressansprüchen war berechtigt. Dennoch war ein Kursrutsch in dieser Höhe überzogen und lediglich von Panik geprägt. Man wusste nicht genau was das alles nun zu bedeuten hatte, also trennte man sich sicherheitshalber erst einmal von der Aktie, um alles weitere von der Seitenlinie zu beobachten. Wenige Tage später stieg der Kurs bereits wieder.

Ein Beispiel in die andere Richtung liefert die Aktie von Kodak, welche um 120% zulegte, als das Unternehmen ankündigte eine eigene Kryptowährung einzuführen. Ich berichtete. Macht eine bloße Ankündigung ein Unternehmen über Nacht mehr als doppelt so wertvoll? Wohl kaum.

Es gibt also Übertreibungen im Markt. Damit stimmt die Markteffizienzhytothese zumindest nicht immer. Solche Übertreibungen kann man nutzen, indem man kauft, wenn Panik herrscht und verkauft, wenn Spekulationsblasen auftreten. Achtet man zusätzlich darauf Unternehmen auszuwählen, die langfristig erfolgreich waren und sind, hat man gute Chancen konstant Rendite zu erwirtschaften.

Verständliche Schreibweise macht den Einstieg leicht

Fachliteratur beinhaltet oft schwer verständliche Sprache, insbesonders wenn man mit den Fachbegriffen (noch) nicht vertraut ist. Die Schreibweise ist akademisch und praxisfern. Intelligent Investieren ist hier eine willkommene Abwechslung. Leicht zu lesen, intuitiv und praxisorientiert. Mit der Persona „Mr. Market“ gibt Graham dem Markt ein Gesicht und veranschaulicht das sonst so abstrakte Konstrukt.

Die Erkenntnisse und Methoden aus Intelligent Investieren sind auch nachfast 70 Jahren noch brandaktuell, relevant und anwendbar. Ein „Evergreen“, wenn man so will. Natürlich erhielt das Buch auch Kritik, die Strategie hat ihre Nachteile wie jede andere Strategie auch. Dennoch ist es der aus meiner Sicht beste Einstieg in die Finanzliteratur. Mir hat das Buch vor vielen Jahren jedenfalls absolut geholfen.

Solltest Du in deinem Leben auch nur ein einziges Finanzbuch kaufen, dann lass es dieses sein.

 

 

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Categories: Off-Topic
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Comments
  1. -

    Thanks, glad to hear you enjoy it. 🙂

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